Illerfähre bei Buch

                                                                                                      

Drei Fotos von A. Hörmann 

                                                                                                  


Das Altusried nächstgelegene Dorf ist Reicholzried. Beide Siedlungen liegen erhaben vis a vis auf Moränenhügeln, dazwischen fließt tief eingeschnitten die Iller. Der Luftlinie nach trennen nur drei Kilometer die beiden Orte. Auf der Straße aber über die Illerbrücke bei Krugzell ist es mehr als doppelt so weit. Deshalb bestand seit langer Zeit eine Fähre bei Buch. Zuerst hatte man über die Iller ein Drahtseil gespannt. Daran hing das Fährschiff, das war ein etwa zehn Meter langer Kahn mit einem großen Ruder am Heck. Durch Drehung des Ruders nach links oder rechts drückte das fließende Wasser das Schiff hinüber oder herüber.                                                                                                                                        Auf der Fähre sind zwei Mädchen und ein großer Junge, er ist der Steuermann. Oben am Landesteg stehen zwei Personen. Als die Staustufe in Wasserei fertig war, war es mit dem Fährbetrieb vorbei, denn das stehende Wasser im Speichersee konnte die Fähre nicht mehr bewegen.                                                Zwei Fähren gab es an der Iller. Eine in Fischers, sie passte, wenn man nach Grönenbach oder Memmingen wollte. Die Fähre Buch benutzte man, wenn man den Ort oder die Bahnstation Reicholzried zum Ziel hatte. Dann konnte man bequem mit dem Zug auch weit entfernte Ziele erreichen.  



  1950                          2015                                                         

Vom Ort Altusried, vorbei am Sutterhof und Käferloh führt ein Fußweg hinunter nach Buch an der Iller. Stufen erleichtern das Gehen an dem steilen Hang und ein Geländer gibt Sicherheit. Eine Brücke überquert den Bach. Auf der Brücke steht ein Mann im Anzug. Heute ist es zumeist sehr einsam an der Iller. Nur selten trifft man einen Wanderer an. Aber nach wie vor ist die LEW als Bauherr der Staustufe verpflichtet, die Brücke und die Wege zu unterhalten.  



                              2015    

Vis a vis von Buch sehen wir am Westufer den Hof der Familie Endres mit dem alten Hofnamen Riedhanser, Foto aus dem Jahre 1942. Leider gibt es das Haus nicht mehr. Es wurde völlig abgetragen. Es ist Sommer, zwei Buben haben ein Schifflein gebaut und paddeln auf der Iller. Es sind Hans Dorn und Erwin Hörmann.

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  Vierzehn Bilder von Balbina Schmalholz, die Tochter des Fährmanns Georg Endres


In schöner erhabener Lage stand der Hof über der Iller. Gebhard Eyerschmalz hat für B. Schmalholz den Hof in Ried gemalt. Man sieht deutlich das Seil, das die Iller überspannt.



 

Auf der Reicholzrieder Seite in Ried. Fährmann Georg Endres mit seiner Frau Franziska und den Kindern Balbina, Hans, Verona und Rosa. Drei Buben schauen vom Ufer aus zu. Beiderseits der Iller war eine Ziehglocke angebracht. Bei Tag und bei Nacht konnte übergesetzt werden. Die Überfahrt kostete nur zwanzig Pfennig.



  Fotos von B. Schmalholz.

Im Hintergrund das Haus des Fährmanns. Von der Iller führen Stufen über die steile Böschung zum Haus. Im Vordergrund der Fährmann  mit den Kindern Vroni, Innozens und Rosa. Rechts am Ufer ein Landesteg. Je nach Wasserstand musste er verlängert oder verkürzt werden. Im Kahn ist ein großes Ruder zum Lenken und eine Stange zum Staken. Eine Sitzbank in der Mitte für die Passagiere genügte meistens.



Es ist Vorfrühling. Die Bäume sind noch ohne Laub. Vier Kühe weiden vor dem Riedhanserhaus. Wäsche flattert an der Leine. Am Haus lädt eine Füllebank ein zum Verweilen.  -  Die Milch wurde jeden Tag über die Iller nach Buch gebracht und kam von hier aus weiter zur Käserei in Luiblings. Manchmal war aber die Iller zugefroren. Dann musste die Milch im Hause bleiben und wurde dort verschafft. 





Acht Endres Kinder auf dem Landesteg. Der Steg erleichterte den Kähnen und den Flößen das Anlanden. Für die Kinder war das Stehen auf der Landebrücke eine kleine Mutprobe.


                                           

Für die Passagiere war zum Warten eine Bank gezimmert. Sieben Kinder der Familie haben darauf Platz genommen. Insgesamt waren es elf Kinder.



  Google Earth 

Ried auf der Reicholzrieder Seite hat seinen Namen davon, dass einst hier der Wald gerodet wurde. Der Name Buch weist daraufhin, dass die Buche an den steilen Hängen der häufigste Baum war.                                                                                                                              


                      

  1945

Auch in einer idyllischen Umwelt gibt es Tragödien und schlimme Schicksale. Nur wenige Tage vor Kriegsende verließ ein Soldat seine Kompanie und versteckte sich im Ried.Ein Kommando zur Suche wurde aufgestellt. Zuerst stocherte sie mit langen Stangen im Heuschopf nach dem  Flüchtigen. Schließlich fand man ihn im oberen Stockwerk unter dem Bett der Großmutter. Er wurde verhaftet und unmittelbar danach standrechtlich erschossen.  Anmerkung: Gut wäre es, wenn ein Marterl  an die Tragödie erinnern würde.

Nach Kriegsende war die Iller eine Grenze zwischen zwischen der französischen und der amerikanischen Besatzungszone. Die Franzosen waren gefürchteter, denn viele Heimkehrer wurden damals verhaftet und kamen als Krieggefangene nach Frankreich.  Deshalb benutzten viele die Illerfähre als heimlichen Fluchtweg.



                                                                      



Der Eingang des Hofes ist mit Girlanden eingesäumt. In der Mitte die Zahl Fünfzig. Das Jubelpaar hat goldene Hochzeit. Auch der Zylinder des Großvaters ist mit Blumen geschmückt. Die Tochter Franziska trägt die kleine Balbina auf dem Arm. Darunter ihr Ehemann Georg Endres mit Kinder.




                           

  • Auch in Ried hält die Motorisierung Einzug. Balbina auf dem Motorrad. 
  • Sechs Kinder auf dem Foto. Alle elf Kinder waren nie auf einem Bild, denn die Jüngsten waren noch zu klein und die Großen waren schon wieder aus dem Haus.



                                   

                                                                                                     

  • Kalb, Rehgeiß, Kinder und Balbina
  • Alfred Schmalholz hoch über der Iller
  • Balbina mit Kind, rechts der Hof von Buch
  • Balbina mit Geschwister

                   

 Alfred blickt über die Iller zu den Uferwiesen von Buch.     

 Auf der Iller. Man sieht die Seile der Fähre.


       Ried im September 2015

                                                               

  • Blick von Buch nach Ried. Durch den Aufstau der Iller musste der Riedhanser Hof abgebrochen werden. Dagegegen blieb der höher gelegene Hof in Buch erhalten. 
  • Wo heute eine Wiese ist, stand früher der Riedhanser Hof.
  • Die Baumgruppe am ehemaligen Hof, hat die Zeit überdauert. Es wachsen Zitterpappeln, Eschen und eine Föhre.
  • Zweige der Föhre ( Rotkiefer )        
  • Stamm der Föhre. Die Kiefer ist der älteste Baum der Gruppe. Sie ist bestimmt schon hundert Jahre alt.  



                                                             

  • Blick von Ried nach Buch. Nach dem Aufstau gab es für eine Zeit noch einen Botsverleih.
  • Die heute schilfbewachsene Insel im Stausee war früher eine Uferwiese. 
  • Esche am Hofplatz
  • Blick von Ried nach Luiblings. Noch als Schülerin kam  Balbina 1946 auf den Aicher Hof hinauf nach Luiblings. Sie musste dort Kindsmagd machen. Sehnsüchtig schaute sie hinunter zu ihrer Heimat in Ried.


                              

Oktober 2015 fanden an der Illerstufe Wasserei Bauarbeiten statt. Deshalb wurde das Wasser des Stausees abgelassen. Nun floss die Iller wieder in ihrem schmalen Bett wie vor dreiundsechzig Jahren. Zwischen Luiblings und Wasserei tauchten an den Flachufern weitflächige Schlammfelder auf, die ehemaligen Uferwiesen und Kiesbänke.

                                                                                                         





Illerfähre Buch