Paul Prinz

     

860 - 1802 Frauenzeller Chronikschnitzel

Die ersten geschichtlich nachweisbaren Bewohner unserer Gegend sind die Kelten, ein indogermanischer Volksstamm, der über Gallien nach Süddeutschland kam. Dass dieses geistig hoch stehende Volk auch in unserer Gegend war, beweisen die 3 Keltengräber, die 1930 im 'Urler Daas' bei Friesenhofen gefunden wurden. Das keltische Volk zerbrach letztlich an der Macht Roms. Aus strategischen Gründen hatten die Römer ein breites Straßennetz auch durch unsere Allgäuer Gegend gezogen. Von Isny zog sich eine Römerstraße über Kürnach, Gschnaidt, Hohentann, Kimratshofen, Legau und Lautrach hinab bis nach Memmingen und Kellmünz. Bei Walkenberg zeugen die Überreste der Römerschanze noch heute davon. Auf Hohentann stand ein römischer Wacht- und Signalturm. Nach den Römern siedelten sich die Alemannen in unserer Gegend an; deshalb ist auch unser Allgäuer Dialekt alemannischen Ursprungs. Auf den Trümmern des zerfallenen Reiches bauten später deutsche Ritter ihre Burgen auf. -
Die Christianisierung des Allgäus geht zurück auf den heiligen Magnus (gestorben 750). Zur Festigung des Glaubens wurden an mehreren Orten Missionsposten errichtet, die man 'Zellen' nannte; diese bestanden aus schmucklosen, von Mönchen oder auch weltlichen Priestern errichteten Holzhütten mit einem einfachen Holzkirchlein. So erscheint zum ersten Mal in den Urkunden anno 860 der Priester Hupold, der die Hupoldscella, das heutige Frauenzell, innehatte; später hieß es Nudungscella. In den Kirchenbüchern um das Jahr 1600 findet man den Namen 'Cella Mariae', d. i. 'Mariazell'. Von 1750 an wechseln die Namen 'Zell' und 'Frauenzell'. -
Hupoldscella lag im Nibelgau. 'Nibel' hieß früher die Eschach, die dem ganzen Gau den Namen gab. Grafen des Nibelgaus waren u. a. 980 Adalbert, 1042 Udalrich von Bregenz und 1094 Heinrich, der seinen Sitz auf Schloss Zeil hatte. Um diese Zeit werden auch Luttolsberg und Hettisried genannt. 879 ist zu Urlau eine Kirche, die teils dem Kloster St. Gallen, teils dem freien Bann Ruodpoto gehörte. Muthmannshofen ist der Hof des 1. Ansiedlers Mutwig, Kimratshofen ist Hof des Kunebrecht. Im 9. Jahrhundert kam Frauenzell neben anderen Orten der Umgebung durch Schenkung des Priesters Hupold an das Kloster St. Gallen; bei diesen Schenkungen wurden die Leibeigenen dem Kloster mit übergeben. Viele Leibeigene bebauten den ihnen zugewiesenen Grund und Boden, die so genannten knechtlichen Bauerngüter. Sie mussten jährlich einen bestimmten Teil des Ertrags an ihre Herren abliefern und ihnen überdies 3 Tage fronen. Wenn ein Gut dieser Hörigen auf einen neuen Herrn überging, wurden die ansässigen Leibeigenen mit übergeben - mit einer einzigen Ausnahme im ganzen Allgäu: Der Priester Hupold nahm 860, als er die Kirche in Frauenzell mit Zubehör an St. Gallen übergab, ausdrücklich die zu ihr gehörigen Eigenleute aus. -
In den Jahren 1349 und 1350 wütete wie im ganzen Deutschland auch in unserer Gegend die Pest. In Nudungscell, wie Frauenzell damals hieß, überlebten 10 Familien, in Muthmannshofen 16, in Hinznang 3 und in Kimratshofen von 74 noch 50. Diese Orte gehörten damals zum Landkapitel Isny und zur Diözese Konstanz. Patron von Frauenzell war der Leutkircher Bürger Leuprecht. -
Um die Mitte des 13. Jahrhunderts erheben sich auch im Allgäu allenthalben feste Burgen, welche von rauf- und fehdelustigen Rittern bewohnt waren. Eine der stolzesten war die Veste Hohentann zwischen Kimratshofen und Muth-mannshofen. Hohentann beherrschte die ganze Gegend und bildete den Mittelpunkt einer eigenen, selbstständigen Herrschaft. Der Herr von Hohentann hatte die niedere Gerichtsbarkeit, d. h. er war Richter in Streitigkeiten seiner Untertanen und er bestrafte sie. Sein Gebiet war so groß, dass er in den Dörfern Frauenzell, Muthmannshofen und Kimratshofen Stellvertreter, Dorfrichter, einsetzte, welche einfache Fälle zu erledigen hatten. Hans von Hohentann wurde 1341 Bürger von Ravensburg und war 1367 auch Herr von Rettenbach. Seine Söhne befehdeten 1410 den Bischof von Augsburg und nahmen 1416 an der Ermordung des Abtes Egg von Ottobeuren teil. Die Herren von Hohentann und Gschnaidt lagen in beständiger Fehde mit dem Fürstabt von Kempten. Durch diese ständigen Kämpfe verschuldeten sich die Hohentanner immer mehr und mussten nach und nach Besitz verkaufen, 1413 gar die Herrschaft Hohentann selbst. Von ursprünglich mehreren hundert Höfen blieben ihnen am Schluss noch zwei kleine Höfe. Rudolf, der letzte Hohentanner Ritter ist als Soldat in Diensten des Markgrafen Jakob von Baden verschollen. -
Frauenzell kam also 1413 mit der Herrschaft Hohentann an das Geschlecht der Heimenhofer, die ihren Stammsitz oberhalb Heimenhofens bei Grünenbach hatten. 1488 saß auf der Burg Gschnaidt mit Georg dem Älteren von Berghofen ein Nebenzweig der Heimenhofer. Georg von Berghofen war mit Dorothea von Hohenems vermählt und wurde kurz 'der Schnaitter' genannt. 1454 brannte die Burg Hohentann ab. 1472 mussten Heinrich von Heimenhofen und seine Brüder Melchior und Hieronymus Frauenzell und Muthmannshofen an Simon Aelblin von Leutkirch so lange verpfänden, bis Melchior die beiden Dörfer wieder einlöste. 1499 kam das Besitztum der Hohentanner durch Kauf an den Tiroler Kanzler Cyprian von Sarenstein und so war Frauenzell kurze Zeit österreichisch! Von dem Kanzler Sarenstein erwarb der Kemptener Fürstabt Johann von Riedheim (1483 - 1508) die Herrschaft Hohentann mit Frauenzell um 7.000 Gulden und so kam Frauenzell 1502 an das Stift Kempten und verblieb dort bis zu dessen Auflösung anno 1802. Ebenso kamen Gschnaidt und andere Besitzungen der Fluhensteiner Linie 1511 käuflich an das Stift Kempten. Der Abt hatte seinen Besitz in Pflegeämter eingeteilt. Er setzte seinen Vogt (Bezirksamtmann) nach Hohentann, wozu neben acht weiteren Gemeinden auch Frauenzell gehörte. Jede Gemeinde hatte einen eigenen Vorstand, der den Titel 'Amann' oder 'Hauptmann' führte. 1770/71 ist genannt: Melchior Dorn, Hauptmann zu Rungatshofen. Gegen Schluss der stiftischen Herrschaft wurde das hochfürstliche Pflegeamt Hohentann nach Lautrach verlegt. Als Frauenzell zum Stift Kempten kam, lebte in Maggmannshofen eine völlig freie Bauernschaft, die nur dem Landgericht der Grafschaft Kempten unterstand, nicht aber dem Vogt. -
1529 trat Pfarrer Andreas Oeder von Frauenzell zum lutherischen Glauben über; vergeblich versuchte sein Dekan, ihn von dieser Lehre abzubringen. Hans von Breitenstein, der Vogt zu Hohentann nahm Pfarrer Oeder gefangen und verbrachte ihn in das bischöfliche Gefängnis nach Meersburg. Vergebens setzte sich die Stadt Memmingen für Pfarrer Oeder beim zuständigen Bischof von Konstanz ein: am 31. August 1529 wurde er auf dem Scheiterhaufen verbrannt. -
Während des 30-jährigen Krieges (1618 - 1648) herrschten allerorten Pest, Hunger und Krieg. In einem Jahr starben in Leutkirch 270, in Legau 210, in Memmingen 600 und in Kempten 1.960 Menschen. Der Schwedenkönig schickte Herzog Bernhard von Weimar mit 12.000 Mann gegen das Allgäu. Die Schweden plünderten 1631 Leutkirch, Schloss Zeil und Isny. 1633 fielen Memmingen, Kempten, Isny und Leutkirch den Kaiserlichen in die Hände; sie erpressten von der Stadt und dem Kloster Isny 45.000 Gulden. 1634 eroberten die Schweden wieder Isny. Erst 1666 konnten die Mönche das Kloster und die Kirche wieder aufbauen. 1635 wütete die Pest wie nie zuvor: Tausende fielen ihr zum Opfer. -
1802 kamen Stadt und Stift Kempten zu Bayern. Die Burg Hohentann wurde abgebrochen. Das Stift Kempten umfasste vor seiner Auflösung ein Gebiet von über 181 Quadratmeilen, die Residenzstadt Stift-Kempten, 7 Marktflecken, 85 Dörfer, viele Weiler, Höfe und Schlösser mit insgesamt 40.000 Einwohnern, während die Stadt Kempten nur ein Gebiet von weniger als 1 Quadratmeile umfasste mit 3.100 Einwohnern. Am 20. September 1802 ließ Kurfürst Max Josef von Bayern Stadt und Stift Kempten militärisch besetzen. Der letzte Fürstabt war Kastolus Freiherr von Reichlin-Meldegg. Stift Kempten und mit ihm auch Frauenzell sind seither bei Bayern!



                                                                                                                      
Freizeitcenter Bärenloch am Brennberger Bach                                    Wasserbaumaßnahmen am Rötenbach

1879 - 1952 Die Frauenzeller Wasserverhältnisse

Durch Frauenzell schlängelt sich nur ein kleines, schmales Bächlein: der Rötenbach. Dieser bildet sich auf Maggmannshofer Flur am Gschwendberg und heißt dort Brennberger Bach; er durchfließt Brennberger, dann Rungatshofer und schließlich an der Kirche vorbei Frauenzeller Gebiet. Später wendet er sich mit anderen vereinigt der Iller zu. Von der Kirche bis zur Straße nach Muthmannshofen war der Lauf des Rötenbachs sehr gekrümmt und seicht. Da der Bach öfter über die Ufer trat, wurde er 1929 auf Veranlassung von Pfarrer Kinker begradigt, das Bachbett vertieft und die Ufer betoniert. Zur Vermeidung von Überschwemmungsschäden wurde der Rötenbach unter Bürgermeister Georg Schönmetzler auch auf dem übrigen Dorfgebiet reguliert: der Lauf wurde unterirdisch verlegt. Hierzu lieferte die Firma Kaestle in Leutkirch 200 Zementröhren mit einem Durchmesser von 100 cm à 26 Mark. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 10.067 Mark und 58 ₰, die nach dem Beitragsplan von Baumeister Julius Leuprecht von der Gemeinde und den Anliegern bestritten wurden. -
Von Gaggen kommt das Grenzbächle, das eine Strecke weit die Grenze zwischen Frauenzell und Muthmannshofen bildet und in den Rötenbach mündet. Der Maggmannshofer Fuchshaldenbach in hat seinen Ursprung im Fuchshalden-Staatswald und fließt dann durch Muthmannshofen. Das Katzenlochbächlein fließt in den Fuchshaldenbach. Das Hinzlangspanbächle kommt vom hinteren Brennberg, tritt in württembergisches Gebiet über und mündet bei Hitzenlinde in die Eschach. Das Aslangspanbächle entspringt auf Kimratshofer Gebiet, bildet eine Strecke weit die Gemeindegrenze und mündet in die Kürnach. -
Die zahlreichen unterirdischen Quellen auf den teilweise bewaldeten Höhen östlich von Frauenzell wurden gesammelt und in die Höfe geleitet, sodass jedes Haus über reines, frisches, fließendes Wasser verfügt. So erwirbt 1894 der Luttolsberger Landwirt Anton Steinle von Georg Kathan in Gaggen 4 (Anmerkung: heute Krug) für 250 Mark das Recht, das auf seinem Grundstück entspringende Wasser zu sammeln und nach Luttolsberg zu leiten; die von der Durchleitung betroffenen Grundstücksbesitzer von Frauenzell und Muthmannshofen erklären sich einverstanden. In trockenen Sommern wurde der Wassermangel besonders im Dorf spürbar. Auf Betreiben des Frauenzeller Bürgermeisters Josef Tschugg und mit Genehmigung des Königlich Bayrischen Wasserversorgungsamtes in München wurde 1906 für 15.000 Mark auf dem Grundstück von Fridolin Krug in Gaggen 4 eine 70.000 Liter fassende Hochdruckwasserleitung mit fast 4 atü Druck gebaut, die 38 m über dem tiefsten Punkt im Dorf unten liegt. Zur Deckung der Schuld erhielt die Gemeinde die Genehmigung zur Erhebung eines Malz- und Bieraufschlags.


Quelle: Aufzeichnungen von Oberlehrer Willhelm Knoller





                                                                                            


1782 - 1874 Pfarramtliches

Die Wahrung von "Zucht und Ordnung" in der Pfarrei ist seit jeher Sache des örtlichen Pfarrers. Dieser Aufgabe konnte er auf verschiedene Art nachkommen: zum Beispiel mit Ermahnungen, mit Verwarnungen, bei Auswärtigen mit einer Meldung an das zuständige Pfarramt oder in ganz schweren Fällen durch die Einschaltung hoher und allerhöchster Obrigkeit.


Am Sankt Georgstag des Jahres 1782 rüttelt ein halbes Dutzend rebellischer lediger Frauenzeller Burschen um den Rädelsführer, den Bauernknecht Anton Mayer, offensichtlich an den Grundfesten der absoluten kirchlichen Autorität: Die Burschen sind gegen die Ansetzung des bisher als Feiertag begangenen Namenstages des hl. Georg als Werktag und versuchen, einen Gottesdienst zu erzwingen. Sie ziehen mit der Karfreitagsrätsche im Dorf herum und fordern ihre Mitbürger zum Kirchgang auf. Gutgläubig und aus alter Gewohnheit ist auch bald die Kirche gefüllt, in der es letztlich zu tumultartigen Szenen und Handgreiflichkeiten kommt, als der herbeigeeilte Mesner die aufgestellten Kerzen wegnehmen will. Beim Verhör durch Pfarrer Burtscher am nächsten Tag zeigen sich die Burschen bockig, worauf die Angelegenheit an den Dekan von Legau weitergeht. Im Bericht an den Dekan heißt es, dass die "ledigen Burschen wegen den abgethanen Feiertägen den Pfarrer gröblich insultiert" und dass "die Kirchenbesucher gejammeret und geweinet" hätten. Schließlich schaltet sich auch der Fürst-Kemptische Probst von Lautrach als Inhaber der Rechtsgewalt ein. Anton Mayer muss sich eine Tafel mit der Aufschrift "Du sollst der geistlichen Obrigkeit Gehorsam leisten" umhängen und sich vor die Kirche stellen; außerdem erhält er, wie seine Mitstreiter Konrad Kiechle und Hans Jerg Greiter auch, fünfzehn derbe Prügel. -


1804 vermerkt Pfarrer Johann Michael Burtscher im Kirchenbuch: "Der Bauer Franz Xaver Dorn ist ein roher grober Mensch".

1885 musste Maria Barbara W. bei Pfarrer Leonhard Gastl mit ihrer Unterschrift nachstehende pfarramtliche Verwarnung bestätigen: "Maria Barbara W., welche laut Taufmatrikel schon zweimal außerehelich geboren hat, wurde vor das Pfarramt Frauenzell vorgerufen und erschien heute. Sie wurde ermahnt zu einem sittlichen Lebenswandel und verwarnt vor weiterer Unsittlichkeit. Sie versprach auch, in Zukunft ein besseres Leben zu führen, was Gott gebe, der ihr endlich die Augen öffnen möge. Ihr gegebenes Versprechen bekräftigt Maria Barbara W., ebenso die pfarramtliche Verwarnung durch eigenhändige Unterschrift." Nachsatz von Pfarrer Gastl: "Maria Barbara W. zeigt nicht viel Reue, macht aber ein kräftiges Versprechen. Ein Wandel ist nicht sehr wahrscheinlich". Anmerkung des Verfassers: Maria Barbara W. gebar 8 Jahre nach der Verwarnung ihr drittes lediges Kind. -

Über eine andere Frau befindet der formulierungsfreudige Pfarrer Leonhard Gastl: "Viktoria R.: Ein liederliches, schlechtes, freches, bodenlos leichtsinniges, schändlich lügenhaftes Weibsbild." -

In einem Brief an seinen Kollegen von der zuständigen Heimatgemeinde äußert sich der selbe Pfarrer über eine junge Mutter so: "An das Kath. Pfarramt Görisried - Betr. Uneheliche Geburt. - Die ledige Kempterwalder Hure hat zum drittenmal unehelich geboren, ein Mädchen, welches in der heiligen Taufe den Namen T. erhalten; die Mutter heißt M. G. Sie gebar am 23. Majus Mittags 11 Uhr. Hochachtungsvoll das Kath. Pfarramt. Pfarrer Leonhard Gastl"


Josef Anton A. wohnte im "Armenhaus" (heute Haus Lindenstraße 2), sein Beruf: "Tagelöhner". Pfarrer Gastl merkt zur Berufsbezeichnung an: "eher Tagedieb!"


Der Kirchturm brennt!
Die Pfarrchronik berichtet, dass es "am 11. April 1874, morgens 4 Uhr, in Frauenzell Feueralarm gab. Der Kirchturm stand in Flammen. Es schmolzen die vier Glocken und fielen herab, auch die Uhr verbrannte. Vor allem stürzte der Turmgockel, der höchste im Dorf vom hohen brennenden Turm und lag nun hilflos, schmählich zerschmettert und verbeult beim Pfarrhof. An den Altären wurde beim Ausräumen viel ruiniert, auch haben die Stuckaturen und Deckengemälde beim Löschen durch Wasser und Feuchtigkeit stark gelitten. Die Kirche wurde vorläufig geschlossen und erst am 10. Mai 1874wieder geöffnet". Aus Sparsamkeitsgründen war der Turm nicht versichert, weswegen Pfarrer Johann Peter Bach Vorwürfe und viele Scherereien mit den Behörden erdulden musste. Der neue 52 m hohe Turm kam auf 776 Gulden zu stehen.


1910 Rauferei mit Todesfolge bei der Hochzeit
Am 20. Oktober 1910 kam es in Wiggensbach am Ende einer Hochzeitsfeier außerhalb der Wirtschaft noch zu einer Rauferei mit Burschen aus Frauenzell, der Heimat der Braut Rosalia W. Der Wiggensbacher Gemeindediener und Ortspolizist Willibald Natterer wollte Ruhe und Ordnung schaffen, erhielt aber sofort von dem Frauenzeller Burschen Augustin W., einem vorbestraften ledigen Dienstknecht, mit einem Bengel [Prügel] einen derartigen Schlag auf den Kopf, dass er bewusstlos niedersank und in der nächsten Nacht verstarb, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Der auf so beklagenswerte Weise ums Leben gekommene Mann war erst 37 Jahre alt, Familienvater und ein sehr solider und allgemein beliebter Mann. (Quelle: "Allgäuer Zeitung")


1960 Manches verjährt nicht so schnell...
Ein "Mordsspaß" besteht an einem Frühsommer-tag 1960 für Franz E. darin, einen kleinen mit einer tragbaren Milchkante beladenen Elfjährigen nach dem Milchschütten vor der Käserei in Maggmannshofen abzupassen und ihm vorzugaukeln, ihn mit seinem Moped 'NSU Quickly' nach Hause zu fahren. Aber statt nach Hause braust Franz E. mit dem Buben ins Bärenloch bis an den Bach hinab, heißt den Verdutzten abzusteigen, fährt ihm davon und lässt ihn mühsam zu Fuß über die unwegsamen Felder das Bärenloch hinauf nach Hause laufen. Dass sein Sohn Franz ein Vierteljahrhundert später einmal eine Cousine des gefoppten Buben heiraten würde, kann Franz E. nicht ahnen, als er mit Vollgas heimwärts rauscht.




                               
               
                                                                           
                                                                          

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Vielleicht interessant zu lesen, dass …

855 schon vor dem Eintreffen des Priesters Hupold in Frauenzell die Orte Rungatshofen, Maggmannshofen, Walkenberg und Luttolsberg mit wenigstens je einem freien Bauern und den nötigen Dienstboten (Unfreie und Hörige) besiedelt sind,

1450 Maggmannshofen, das bis dato eine Filiale der Pfarrei Urlau war, der Pfarrei Frauenzell zugeteilt wird,

1594 alle Güter und alle Leute von Maggmannshofen frei und keinem Herren unterworfen sind,

1635, das schlimmste aller Pestjahre, allein in Maggmannshofen zwischen dem 18. Mai und 12. August 25 Opfer fordert. Bei Maria Hiemer vom Katzenloh ist später vermerkt: "Sie starb mit ihren drei Kindern". In Frauenzell besteht die seltene Ausnahme, dass die Pfarrbücher schon 1619 beginnen, sodass hier die Zahl der an der Pest verstorbenen Opfer auch zahlenmäßig genau festgestellt werden kann. Im ganzen Jahr 1635 sterben in Maggmannshofen 35 Menschen an der Pest. In Frauenzell-Dorf fallen vom 28. Januar bis 8. August 1635 37 Personen der Pest zum Opfer; in den übrigen Weilern werden 14 Opfer gezählt.


1641 in der vom Stift Kempten verfassten Haus- und Hofbeschreibung von den anno 1630 in Maggmannshofen verzeichneten sechs Familien nur drei (die 'Einsiedler' und zwei 'Haggenmiller') das Pestjahr 1635 überleben,

1675 in Maggmannshofen bereits wieder 12 Familien ansässig sind,

1692/93 für Maggmannshofen die Vereinödung (Flurbereinigung) durchgeführt wird (die nächste wird 1769 für Maggmannshofen, Gaggen und Buch sowie 1770 für Frauenzell durchgeführt),

1696 am 04.12. der Glasmacher Johann Georg Berger mit 50 Thalern bestraft wird, weil er den Vorschlag vom Stift Kempten nicht annimmt, mit Glasmacher Hans Schmid ins Ulmerthal zu ziehen, um dort zwei neue Glashütten zu erbauen.

1707 bis 1802 die drei Altenried-Familien Vater, Sohn und Enkel es zusammen auf insgesamt 44 Kinder bringen,
1710 der Frauenzeller Bildhauer Franz Martin die Kirchentüren, Stuhlwangen und das Chorgestühl der Frauenzeller Kirche schafft,

1745 im Frühjahr 9 kinderreiche Allgäuer Bauernfamilien, alle Untertanen des Fürstabts von Kempten, wegen 'Rebellion' zur Deportation nach Slawonien verurteilt werden, darunter auch Hansjörg Hailer, ein Neffe der Gaggener Bäuerin Anastasia Haggenmiller, geb. Hailer. Zwei 'Rebellen' gelingt während des Transports die Flucht, einem davon sogar mit Weib und Kind,

1770 die Pfarrei (wohl im Zusammenhang mit der Flurbereinigung) 18 Jauchert 6 Viertel 162 Ruten Besitztum an die Bewohner auf dem Gaggenbühl verkauft,

1812 am 27. August Walkenberg aus dem Kirchenverband Urlau ausscheidet und zur Pfarrei Frauenzell kommt,

1848 der Frauenzeller Maurermeister Josef Anton Daiber die kleine Gschnaidt-Kapelle erbaut, J. A. Daiber entstammt einer Frauenzeller Baumeister- und Maurer-Familie, die über Generationen in Vorderbrennberg 2 und im Römerweg 9 ansässig ist. Um 1870 fertigt Johann Leopold Daiber Dachplatten an, auf die er 2 Jahre Garantie gibt; 1875 baut er für 124 Gulden 21 Kreuzer neue Abortanlagen in der Frauenzeller Schule ein.


1856 der Grundstein zur zweiten, größeren Kapelle im Gschnaidt gelegt wird und der notwendige Grund und Boden um die Kirche und für die Kreuzwegstationen im Freien von Anton Anastas Eggensberger von Haus Maggmannshofen 8 um 440 Gulden abgekauft werden,

in dem einen Jahr von August 1878 bis Juli 1879 in Frauenzell sieben Männer geboren werden, über denen kein besonders günstiger Glücksstern zu stehen scheint: Andreas Wiedemann (*15.08.1878) stirbt 1917 an Kriegsverletzungen; Johann Wagegg (*12.09.1878) wird 1951 von seinem Pferd zu Tode geschleift; Benedikt Leuprecht (*15.12.1878) stirbt 1945 an einem Pferdetritt in den Leib; Magnus Kunz (*24.01.1879) fällt 1945 vom Heustock zu Tode; Julius Aicher (*20.02.1879) wird 1945 vom Stier getötet; Alois Mayer (*02.04.1879) erschießt sich 1940 selbst (Eintrag dazu im Sterberegister: "Er geht seit Jahren in keine Kirche, hat geflucht") und Johann Hiemer (*14.07.1879) fällt 1914 in den Vogesen. Ein achter Mann, nämlich Xaver Notz (*04.09.1878), wird unfallfrei 86 ½ Jahre alt; jedoch sein Enkelsohn Georg Notz verunglückt 2004 bei Waldarbeiten.

auf unterschiedliche und ungewöhnliche Art diese Frauenzeller sterben müssen: Vater Hans und Sohn Andreas Jäger sind beide Jäger; um 1680 erschießt bei einem Pirschgang versehentlich einer den anderen. Josef Stehr (*1783) fällt am 05.12.1805 als Soldat im Bayrischen Heer in der Schlacht bei Iglau. Michael Albrecht (*1788) und Leonhard Dorn (*1791) sterben 1813 als Soldaten im bayrischen Heer bei Napoleons Russland-Feldzug. Basil Altmann (*1876) ertrinkt 1887 in der Eschach. Josef Becherer (*1894) wird am 15.12.1929 zwischen Frauenzell und Hinznang ermordet. Der Baumeister Julius Leuprecht (*1885) wird am Morgen des 19.01.1931 erfroren im Straßengraben gefunden. Josef Merk (*1920) und seine Schwester Walburga (*1924) sterben 1937 an den Folgen der Attacke eines wütenden Stiers. Im Rahmen der "Aktion T4" genannten Euthanasie des 3. Reiches werden die drei Frauenzeller Frauen Lina Kobel (*1922), Berta Mayr (*1910) und Luise Prinz (*1922) am 08.08.1941 in Hartheim in der Gaskammer ermordet

1880 Andreas Endres vom Katzenloh 1 den "Maggmannshofer Altar" um 300 Mark an Johann Leichtle in Kempten verkauft,

1888, 1890, 1893 und 1895 vier Kinder noch vor der Geburt im Mutterleibe notgetauft werden, weil ihre Totgeburt absehbar war (und
danach eine Taufe nicht mehr vollziehbar gewesen wäre),

1893 der Frauenzeller Käsehändler Xaver Göhl das 1. Auto im Dorf besitzt,

1897 beim "Schugge Mang" (Dorfstr. 19) und 1899 beim "Maushardt" (Maggmannshofen 7) die letzten in Frauenzell geborenen Drillinge zur Welt kommen,
ab 1914 der "Rößler" Johann Kathan als Pferdefuhrwerker einmal im Monat die in der Käserei in Maggmannshofen produzierten Emmentalerlaibe (Tagesproduktion: 1 Laib) mit eisenbereiften Heuwagen auf holprigen Straße nach Kempten fährt.

1925 Frauenzell noch 693 Einwohner hat und

1933 bereits 701 Einwohner hat,

1941 "13 fremde Schüler" in die Frauenzeller Schule kommen: Am 24. Januar treffen aus der von alliierten Luftangriffen gefährdeten Stadt Witten im Ruhrgebiet 10 Buben und 3 Mädchen vom 4. bis 8. Schuljahr in Frauenzell ein, die abwechslungsweise in Frauenzell und Muthmannhofen von einem eigenen Lehrer aus Witten unterrichtet werden und erst im Oktober 1941 wieder in ihre Heimatstadt zurückkehren können,

1941 am 22. April durch den Regierungsentschluss Nr. I / 299 der Gemeinde Frauenzell für den Ausbau der Schulbücherei der Betrag von 23 Mark zugewiesen wird,

1945 die Schule in Frauenzell am 23.04. wegen des Einmarsches der Franzosen geschlossen wird; in beiden Schulsälen sind bis Juli 1945 befreite kriegsgefangene Serben untergebracht,

1945 von den 30 Frauenzeller Buben, die im März 1933 im Alter von 12 Jahren für die Gründung der HJ begeistert wurden, noch 16 übrig waren; die 14 anderen sind auf den Schlachtfeldern des zweiten Weltkrieges geblieben. -


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Quellen: Kirchenbücher Frauenzell, Bischöfliches Archiv Augsburg, Grönenbach-Fuggerische Landtafel im Stift Kempten, Aufzeichnungen von Oberlehrer Wilhelm Knoller (1879-1952) und Matthias Dorn (1920-2009) sowie Recherchen von Gotthard Prinz (*1949).




1948 - 1960  Fotos aus dem Archiv Paul Prinz

                                
                                                   

      
2012  Ehrenamtliche Honorationen von Frauenzell - Stand 31.12.2012
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